Hechaluz Hohenau 1925 .tif
Netsach Wien-Hachschara vor dem Krieg.tif

Hachschara-Lager in Österreich

Das hebräische Wort Hachschara bedeutet die Vorbereitung (wörtlich: Tauglichmachung) auf eine landwirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeit in Palästina/Erez Israel. In den 1920er Jahren begannen jüdische Jugendorganisationen, Lager im Osten Österreichs einzurichten, um Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, nach Palästina/Erez Israel auszuwandern. Unter der britischen Mandatsregierung waren die Einwanderungsbestimmungen sehr streng und klar formuliert, sollten doch die neuen Einwanderer dem Staat von Nutzen sein und helfen können, das Land aufzubauen.

Hierfür wurden von den verschiedenen Jugendorganisationen unter dem Dachverband Hechaluz (hebr.Pionier) Hachscharalager errichtet, in denen die Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren landwirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten lernten. Neben dem praktischen gab es auch theoretischen Unterricht. Dieser umfasste Hebräisch, jüdische und zionistische Geschichte, Palästinakunde, Naturwissenschaften, Erdkunde sowie Erste Hilfe. Die teilnehmenden Jugendlichen wurden Chawerim/Chawerot (hebr.Genoss*innen, Freund*innen) oder Chaluzim/Chaluzot (hebr.Pionier*innen) genannt.

 

Die Lager wurden hauptsächlich auf Gutshöfen, Schlössern oder Bauernhöfen eingerichtet, die meistens jüdischen BesitzerInnen gehörten. Ein Aufenthalt in den Lagern war für ca. 2 Jahre vorgesehen und wurde mit einer Prüfung beendet. Die besten Teilnehmer*innen konnten mit einer Auswanderung nach Palästina/Erez Israel rechnen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 in Österreich änderte sich die Funktion der Hachscharalager schlagartig. Waren die Anfänge der Hachschara bis 1938 vor allem ideologisch geprägt, veränderte sich die Position ab dann zu einer reinen Fluchtorganisation. So galt die Teilnahme an Hachschara für viele Jugendliche als letzte Hoffnung für eine Flucht aus Österreich. Die Altersvorgaben wurden gelockert, damit auch Jüngere und Ältere eine Chance auf Hachschara hatten. Auch die Dauer des Aufenthalts in einem Lager wurde von zwei Jahren auf teilweise Wochen oder nur wenige Tage reduziert.

 

Laut den Akten der „Hachschara Abteilung“ des Palästina-Amtes in Wien gab es 1939 an folgenden Standorten Ausbildungsstätten des Hechaluz:

Absdorf, Aggstein, Aggsbach, Fischamend, Kottingbrunn, Landersdorf, Markhof, Moosbrunn, Niederabsdorf, Ottertal, Schwadorf, Thalheim, Walpersdorf sowie zwei Standorte in Wien, in der Haasgasse sowie in der Rotensterngasse. Außerdem gab es auch Umschulungsplätze, welche vom Hamisrachi geführt wurden. Diese befanden sich in Wördern sowie der Gärtnerei Strauss in Wien.

 

Das Dissertationsprojekt erforscht die Entstehungsgeschichte, den Verlauf, die agierenden Organisationen und Personen sowie die Wirkungsgeschichte der österreichischen Hachschara.

Für die Erforschung der einzelnen Lager ist auch das Wissen der örtlichen Citizen Scientist gefragt.

 

Informationen: Mag. Janina Böck-Koroschitz