20204[1].tif
20170901_144846.jpg

Die Bezirke St. Pölten-Stadt und St. Pölten-Land

In den Bezirken St. Pölten-Stadt und St. Pölten-Land überschneidet sich die Zwangsarbeit im industriellen und agrarischen Bereich. Die Menschen kam in der Firma Voith oder der „Glanzstoff“ genauso zum Einsatz wie auf den landwirtschaftlichen Gütern und Bauernhöfen der Umgebung. Dazu findet sich in dem Großraum auch gut die Hälfte aller „Hachschara-Lager“ Österreichs, in denen jüdische Jugendliche auf die Auswanderung ins damalige Palästina vorbereitet werden sollten.

 

Ab dem Sommer 1944 wurden in dem Gebiet zudem Hunderte ungarische Juden, Männer, Frauen und Kinder, zur Arbeit in vielen unterschiedlichen Bereichen gezwungen. Als eine der größten Städte „Niederdonaus“, die zudem den hochtrabenden Titel „Gauwirtschaftsstadt“ trug, war St. Pölten auch ein zentraler Ort für die NSDAP dieses Reichsgaues, in dem und von dem aus zahlreiche Aktivitäten zur Formierung der „Volksgemeinschaft“ geplant, organisiert und gesteuert wurden. Dazu gehörten ebenfalls lagermäßige Einrichtungen, die der Schulung (NS-Schulungsburg in St. Pölten-Wasserburg), Erziehung (Lager der Hitlerjugend) oder Arbeit (Reichsarbeitsdienst) dienten.

Eine Außenstelle der Gestapo-Leitstelle Wien (heute Polizeidienststelle Europaplatz) – neben Wiener Neustadt die einzige in Niederdonau – überwachte sowohl die „Volksgemeinschaft“ als auch jene, die für sie Zwangsarbeit verrichten mussten.

Informationen: Dr. Christoph Lind

Zu den Abbildungen
Links: Die St. Pöltner Synagoge, hier auf einer Abbildung aus den 1950er Jahren, diente nach ihrer Verwüstung im Novemberpogrom von 1938 als Lager für Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion. Im angebauten Kantorhaus war mit der SA eine wichtige Organisation der „Volksgemeinschaft“ untergebracht. Nach 1945 wurde das ehemalige Gotteshaus eine Zeit lang als Notunterkunft verwendet.

 

Rechts: Die Fundamente einer der Baracken des Lagers „Korea“, das im Jahr 2017 von der St. Pöltner Stadtarchäologie erforscht wurde. „Korea“ – der Name entstand erst in der Nachkriegszeit – war eines der größten Zwangsarbeitslager im Stadtgebiet. Seine Baracken wurden bis weit in die 1960er Jahre als Not- und Sozialwohnungen genutzt.